Reichsgräfin Marianne von der Leyen

Dass Marianne von der Leyen im Jahr 1785 in zwei Städtchen, vier Schlössern, 72 Dörfern und über 500 Bauernhöfen rund 24.000 Menschen regierte, ist dem Aufsatz von Bernhard Becker zu entnehmen. Zwar befanden sich diese schwerpunktmäßig im Bliesgau, aber auch am Glan und unweit des Rheins, an Lahn, Mosel und im heutigen Baden gab es „leyischen Streubesitz“. Zwar sei die Residenzstadt Blieskastel in barocker Pracht und Verschwendung ausgestattet worden, entsprechend sei es aber auch um die finanzielle Situation des Landes bestellt gewesen - schlichtweg „erbärmlich“ nämlich. Becker weiter: „Zu dem anwachsenden Schuldenberg trugen die Hochzeit des Erbprinzen und der Neubau der Philippsburg auf Ommersheimer Gemarkung nahe dem Niederwürzbacher beträchtlich bei“. Jedoch sei es nicht das finanzielle „Missmanagement“ derer von der Leyen gewesen, welches das Ende der „Blieskasteler Herrlichkeit“ verursacht hatte, sondern die Französische Revolution. Dass Marianne von der Leyen ihre „abenteuerliche Flucht“ selbst zu Papier brachte, ist nach Beckers Auffassung der Ausgangspunkt für die bis heute andauernde Legendenbildung.
Just diese sowie das via Erzählungen überlieferte „Mariannenbild“ sind das Thema, dem sich der Volkskundler Gunter Altenkirch angenommen hat. Er listet im Wortlaut Aussagen auf, der er bei mündlichen Befragungen gesammelt hat. „Einmal war eine große Hungersnot und da war auf dem Markt eine Frau, die hat den Armen Brot gegeben. Die Bauern haben gleich gewusst, dass es die Gräfin Marianne war, sie haben es an den schönen Händen gesehen“, zitiert Altenkirch etwa ein in Erfweiler-Ehlingen kursierendes Ondit. Noch abenteuerlicher, als sie es in ihrem Tagebuch selbst beschreibt, sind die Gerüchte, die sich über ihren Fluchtweg vor den Revolutionären am 14. Mai 1793 ranken. Von unterirdischen Gängen rund um Blieskastel ist Rede, über die Marianne zur Kirkeler Burgruine oder unter der Saar hindurch nach Wölferdingen bei Saargemünd gelangt sein soll.
Über den Anbau und auch den Konsum von Wein berichtet in einem dritten Beitrag der frühere Leiter des saarländischen Landesarchivs, Wolfgang Laufer. Er skizziert, dass Blieskastel insbesondere über das vorderpfälzische Weindorf Burrweiler, das zum Leyen-Territorium gehörte, mit durchaus großen Mengen Rebensaft versorgt wurde. Weinbau wurde nach seinen Recherchen zum Ende des 18. Jahrhunderts im Bliesgau nur noch „rudimentär“ angebaut, etwa durch das Kloster Gräfinthal oder das Stift St. Sebastian in Blieskastel selbst. Durchaus beträchtliche Mengen „zu bechern“ sei indes üblich gewesen, ein pro-Kopf-Verbrauch von zwei Litern zu einem Abendessen keine Seltenheit, schreibt Laufer.
Das Saarpfalz-Sonderheft 2007, zu dem der Blieskasteler Stadtarchivar Kurt Legrum die Einleitung beigesteuert hat, umfasst 56 Seiten mit zahlreichen Abbildungen sowie einer Liste ausgewählter Literatur, die Doris Grieben erstellt hat. Die Extraausgabe kostet 3,25 Euro und ist im Buchhandel sowie beim Landratsamt Homburg, Zimmer 417, Tel. 06841/104417, E-Mail: Traudel.Neumueller@saarpfalz-kreis.de erhältlich.
Martin Baus
